• Gerhard

"Van Dieman's Land"

BESUCH DES MOUNTAINBIKE PARADIESES (9.3.-30.3.19)


Im Auftrag des Generalgouverneurs von Niederländisch-Indien, Anton van Diemen, entdeckte der niederländische Seefahrer Abel Tasman 1642 die Insel, die in den Anfangsjahren der Besiedlung als Strafkolonie diente. Zwischen 1803 und 1853 wurden ca. 75'000 Sträflinge nach Tasmanien gebracht.


Tasmanien wurde uns von vielen Reisenden als das Outdoorparadies schlechthin beschrieben. Besonders hellhörig machten uns die Beschreibungen der Mountainbiketrails, welche punkto Länge und Höhenunterschied die doch recht bescheidenen Bikeparks auf dem Kontinent bei weitem übertreffen sollten. Auf der Suche nach einem günstigen Bike für Australien hätte ich um ein Haar ein Hardtail gekauft. Der wie immer ehrliche Kommentar des Verkäufers im Shop in Adelaide ("that's good for our parks here but in Tassie you will get in trouble with it") hat mich Gott sei Dank davon abgehalten. Also hängen zwei Fully’s am Heck von Lux, als ich mit ihm auf die Sprit of Tasmania rolle. Fränzi wird schnell seekrank und nimmt das Flugzeug nach Launceston, eine kluge Entscheidung, denn die Bass Strait ist selten ruhig und mein Magen erlebt die ca. 10-stündige Überfahrt prompt als ziemlich anspruchsvoll.

In der Region von Launceston schauen wir uns die Weinregion am Tamar River an, erkunden das Dörfchen Grindelwald (bestehend aus Holzhäusern im Alpen-Chaletstil) und steigen schliesslich an der Mündung des Flusses in Low Head auf einem Caravan Park ab. Wir erleben die Gegend als sehr relaxt mit etwas, aber nicht zu viel, touristischer Infrastruktur. Der Windgott meint es gut mit mir und ich kann an der East Bay bei strahlendem Sonnenschein und perfektem Wind windsurfen.



Obwohl der Wind anhält, entschliessen wir uns, nach Derby dem Bike-Mekka Tasmanien’s zu fahren, denn es ist gutes Wetter angesagt und das ist nicht selbstverständlich auf der Insel. Nach vielen sonnigen Monaten an der West- und Südküste Australiens ist "schlechtes Wetter" wieder eine ernstzunehmende Variante, die es zu berücksichtigen gilt.

Derby ist ein kleines Kaff, das jahrzehntelang vom Bergbau lebte, bis die lokale Mine geschlossen wurde. Der wirtschaftliche Niedergang konnte dank den Mountainbikern gestoppt werden. Die Trails, die hier in den Bush geschlagen wurden, sind wirklich 1a. Flüssig, abwechslungsreich und gut unterhalten. Das Dörfchen liegt malerisch an einem Fluss und obwohl es viele Biker hat, erleben wir es nicht als "too busy". Die Trails sind erst recht nicht überlaufen, die Auswahl ist zu gross. Die Vegetation mit den vielen Farnen hat es uns besonders angetan. Kurzum: Perfekte Tage in einem perfekten Ambiente. Im nahe gelegenen Blue Tier Forest Reserve finden wir schliesslich die Top-Abfahrt der Region. Ein unendlich langer Flowtrail durch den tasmanischen Bush, der seinesgleichen sucht (siehe Video). Für uns eine der besten Touren, die wir je gemacht haben. Besten Dank an Vincent, unser Tourguide, für die guten Tips.




An der Ostküste lassen wir uns die landschaftlichen Highlights natürlich nicht entgehen. Wir campen an der Bay of Fires und wandern zur berühmten Wineglass Bay bei Coles Bay und zum Totem Pole, einem Felsmonolithen in der Nähe von Port Arthur. Hier merken wir, dass Tasmanien längst kein Geheimtipp mehr ist. Die Ziele sind gut besucht, von Einsamkeit keine Spur.




In der Region um Hobart wollten wir eigentlich wieder auf's Bike steigen, aber das Wetter ist schlecht und wir ziehen weiter in den Mount Field National Park. Kurze Hikes zu wunderschönen Wasserfällen lassen das bescheidene Wetter vergessen.



Ein relatives Schönwetterfenster ermöglicht den Besuch des Maydena Bike Parks (s. YouTube-Video). Auch hier sind tolle Trails anzutreffen, die aber etwas schwieriger sind als in Derby. Hier im Südwesten gäbe es einsame Hikes in einer wildschönen Berglandschaft, aber die Strassen sind wegen Unterhaltsarbeiten aufgrund der sommerlichen Buschfeuer teilweise gesperrt.



Der Wetterbericht verspricht weiterhin kühlfeuchtes Wetter und in ein paar Tagen Westwind in Sturmstärke. Wir entschliessen uns, an die Nordküste zu fahren und dort für ein paar Tage ein Haus zu mieten und vor dem Sturm in Deckung zu gehen. Die Fahrt dorthin ist kurvenreich und lang. Als ich nach stundenlanger Fahrt endlich wieder einmal in den 4. Gang schalten kann, fahre ich prompt zu schnell und werde doch tatsächlich irgendwo in der Pampa geblitzt. Der Polizist ist gut drauf und interessiert sich sehr für unseren Camper und unsere Reise und lässt mich mit einer formellen Verwarnung davon kommen. Welcome to Tassie.

So landen wir in Stanley, einem netten Städtchen mit kleinem Fischerhafen auf einer Halbinsel an der Nordküste. Der relaxte Groove mit wenig Touristen gefällt uns gut. Das massive Steinhaus, das wir gemietet haben, verspricht Sicherheit vor dem aufkommenden Sturm.



Nicht ganz ohne Hintergedanken habe ich mir Stanley ausgesucht, denn von hier ist es nur eine knappe Stunde Fahrt nach Marrawah an der nördlichen Westküste. Marrawah ist das big wave Revier von Tasmanien, je nach Quelle sogar das Beste von ganz Australien. Der aufkommende Sturm verspricht Wellen bis acht Meter und wer weiss, vielleicht ist der Tag danach fahrbar. Online suche ich nach gleichgesinnten Locals, aber die Windsurfer, die mir antworten, gehen bei Low Head oder südlich von Hobbart aufs Wasser. Schliesslich bin ich einmal mehr der Einzig am Strand. Der Sturm hat leider keine schönen Wellen aufgebaut und ich mühe mich mehr durch unendliches Weisswasser als Wellen zu reiten. Trotzdem war's ein Versuch wert.



Wir besuchen noch die Cradle Mountains, eine wunderschöne Landschaft mit (richtigen) Bergen, Seen und putzigen Wombats. Eine Wanderung können wir bei relativem Schönwetter geniessen, ein zweite endet in strömendem Regen. Once again- Welcome to Tassie.



Fazit: Tasmanien ist unbedingt eine Reise wert, auch wenn die landschaftlichen Highlights gut besucht und einzelne touristische Hotspots regelrecht überlaufen sind (Wineglass Bay). Wir hatten einen normalen Wettermix mit mehr als 50% Sonnentagen und konnten damit sehr zufrieden sein. Trotzdem nahm ich die Fahrt mit der Spirit of Tasmania zurück auf den Kontinent (bei angekündigtem Starkwind) nicht ungern in Angriff. Beim campen mag ich's einfach gerne trocken und warm.


Hier der Link zum passenden YouTube-Video:

https://youtu.be/0GS4SiLrtiA


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